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Trauer kommt in Wellen und so geht sie auch wieder.

Trauer über das, was verloren ist – einen Arbeitsplatz, Zugang zu Ressourcen, ein Beziehungsnetz, der Verlust eines Hauses, einer gewohnten Umgebung, von Heimat. Trauer über den Verlust eines Menschen, der gestorben ist, den wir verlassen haben, der sich abgewendet hat – Trauer darüber, das, aus welchen Gründen auch immer, keine Verbindung mehr da ist. Die Traurigkeit überkommt uns – einfach so, manchmal mit Vorwarnung – sie kommt! Sie erfasst uns wie eine Welle – mit voller Wucht droht sie uns zu überspülen, wir werden hinweggerissen, wir bekommen keine Luft und wissen nicht, wo oben und unten ist – bis wir an Land gespült werden, die Welle ebbt ab, erstes Durchatmen wird möglich, es erfasst uns noch, doch nicht mehr so stark.

Je nachdem, wo wir in der Verarbeitung des Geschehenen stehen, kommen die Wellen uns groß und mächtig vor oder bereits vertraut und nicht mehr ganz so bedrohlich – doch sie kommen, die Wellen der Trauer. Sie kommen in kurzen Abständen oder fühlen sich lang anhaltend an. Soll ich mich der Welle hingeben, mich treiben lassen oder dagegen ankämpfen, oben bleiben, sie bezwingen wollen? Dass uns Wellen der Trauer erfassen, ist normal, dass wir hin und wieder in ihnen untergehen auch, dass wir wieder auftauchen ebenso. Das ist gut zu wissen. Es geht vorüber.

Die meisten der Wellen, die mit vielen Tränen und starker Verzweiflung herankommen, halten uns in der Regel nicht länger als 15-30 Minuten fest, dann ebben sie ab, schenken uns, wie eine Welle, Zeit zur Erholung und dann rauschen sie erneut heran. Sie erschöpfen uns. Doch mit der uns schwindenden Kraft legt sich in der Regel auch die Heftigkeit der Wellen – unser Körper lernt Wellen zu reiten, unser Verstand kann uns dabei unterstützen und unser Herz wird frei, die Energie der Trauer für den Prozess der Verarbeitung zu nutzen (Interessanter veröffentlicher Brief dazu).