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Kennst du das Gefühl der Wertlosigkeit oder bist dir manchmal deines  Wertes nicht sicher?
Vor Jahren bin ich über eine Geschichte zu diesem Thema gestolpert, die mich sehr berührt hat. Ich habe sie in unterschiedlichen Versionen an verschiedenen Stellen wieder gefunden, so auch hier. Sie ist wichtig für mich und hat mir und anderen weiter geholfen, so dass ich sie hier gerne veröffentliche:

 

Vom Wert des Ringes
„Meister, ich bin zu dir gekommen, weil ich mich so wertlos fühle. Meister, alles was ich anstelle, mache ich falsch, ich bin so ungeschickt. Meister, was kann ich tun, damit die Leute eine höhere Meinung von mir haben? Meister, wie kann ich ein besserer und ein erfolgreicher Mensch werden?“
Der weise Alte sieht ihn gar nicht an, er ist sehr beschäftigt und scheinbar mürrisch meint er, dass er selbst Hilfe bei einem Problem braucht und bevor das Problem nicht gelöst ist, könne er dem jungen Mann
nicht helfen. Schließlich allerdings hält er kurz inne und meint, es wäre ja gut, wenn der junge Mann ihm
zuerst bei seinem Problem helfen würde, dann könne er sich ganz und gar ihm widmen. Der junge Mann willigt ein und so erklärt ihm der Meister: „Ich habe hier einen Ring, den muss ich verkaufen. Ich habe bei jemandem eine Schuld zu begleichen und dieser Ring soll dazu dienen. Nimm also bitte mein Pferd aus dem Stall und reite auf den Markt und verkaufe für mich diesen Ring. Aber gib acht, dass du ihn nicht für weniger als ein Goldstück verkaufst. Das ist der Preis, den ich brauche.“
Der junge Mann reitet los und bietet den Ring auf dem Markt verschiedenen Händlern an. Manche scheinen interessiert, aber keiner ist bereit, den Preis von einem Goldstück zu bezahlen. Einige lachen, als sie davon hören. Andere wenden sich einfach wortlos und bitter ab. Ein dritter erklärt dem jungen Mann
höflich, dass ein Goldstück viel zu wertvoll sei, es gegen diesen Ring einzutauschen. Er bietet ihm ein Silberstück an, aber der Junge hat ja Anweisung, mit nicht weniger als einem Goldstück zurück zu kehren.
Niedergeschlagen, vor allem weil er sich jetzt um die Hilfe des Meisters bei seinem eigenen Problem gebracht sieht, kehrte er zurück:
„Meister, es tut mir leid. Das, worum du mich gebeten hast, kann ich unmöglich leisten. Vielleicht hätte ich zwei oder drei Silberlinge für den Ring bekommen können. Es ist mir jedoch nicht gelungen, jemanden
über den wahren Wert des Ringes hinwegzutäuschen.“
„Was du sagst, ist sehr wichtig, mein junger Freund“, antwortet der Meister mit einem Lächeln. „Wir müssen zuerst den wahren Wert des Rings in Erfahrung bringen. Steig wieder auf das Pferd und reite noch
einmal in die Stadt. Aber nicht auf den Markt, sondern zum Goldschmied. Wer könnte den wahren Wert des Ringes besser einschätzen als er? Sag ihm, dass ich den Ring verkaufen möchte und frag ihn, wie viel er dir dafür geben möchte. Aber was immer er dir auch bietet: Du verkaufst ihn noch nicht. Kehr erst mit
dem Ring zu mir zurück.“
Der Junge macht sich also erneut auf den Weg – zum Goldschmied. Dieser untersucht den Ring im Schein einer Lampe, er besieht sich den Stein durch eine Lupe, er wiegt den Stein und poliert ihn anschließend noch einmal, bevor er ihn erneut eingehend betrachtet:
„Mein Junge, richte deinem Herrn aus, wenn er ihn gleich verkaufen will, kann ich ihm nicht mehr als 58 Goldstücke für seinen Ring geben. Mit etwas Geduld sind jedoch bis zu 70 Goldstücke dafür zu bekommen,
aber bei einem Notverkauf…“
Der junge Mann eilt zu dem weisen Mann zurück und berichtet aufgeregt von dieser Antwort. Der Alte lächelt und bittet ihn: „Setz dich und sieh, das ist auch die Antwort auf deine Frage: Du bist wie dieser Ring – ein Schmuckstück, kostbar und einzigartig. Und genau wie bei diesem Ring kann nicht jeder deinen wahren Wert erkennen. Nur ein Fachmann ist dazu in der Lage. Warum irrst du also durch dein Leben und erwartest, dass jeder x-Beliebige um deinen Wert weiß?“ Und noch während er dies sagt, streift sich der alte Mann den Ring wieder über den Finger seiner linken Hand.

 

Welchem „Meister“ gibst du die Erlaubnis über deinen Wert zu urteilen?