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Am letzten Wochenende besuchten wir den 81jährigen Vater meiner Freundin zum Kaffee und dort lernte ich Papas Pullover kennen.

Es war ein heißer Tag, fast 30 Grad und die Sonne stach. Wir trugen Sommersachen, die Hunde lagen im Schatten und hechelten. Der Vater war schick. Er trug zwar einen langärmeligen Pullover, doch eindeutig ein brandaktuelles, leichtes Sommermodell aus reinweißem Baumwoll-Bouclé-Garn. Keine Angst- dies wird jetzt kein Modeblog. Mir geht es um etwas ganz anderes.

Papas Pullover ist nicht neu, sondern richtig alt für ein Kleidungsstück. Meine Freundin schien sich an den Pullover zu erinnern und fragte nach. Es stellte sich heraus, dass ihre Erinnerung an den Pullover tatsächlich richtig war. Papa trug ihn schon auf den Familienreisen nach Italien in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts :-). Und noch mehr: Mama hatte ihn gestrickt. Nicht aus gekaufter Wolle, sondern aus alten, unbenutzten Mullbinden, die sie aufgetrennt und deren Faden sie aufgewickelt hatte.

So viel upcycling machte mich sprachlos! Nicht nur, dass er seit mehr als 30 Jahren den selben Sommerpullover trägt und offensichtlich gar nicht das Bedürfnis nach einem anderen Pullover hat, nein, die Mullbinden leben in diesem Pullover auch schon ihr 2. Leben!

Eine Lawine von Gedanken brach in mir los. Mit wie wenig Kleidung kann man auskommen? Und wie anders ist mein Umgang damit? Wie viele T-Shirts, Blusen, Hosen haben ich? Schuhe? Wie viele meine ich zu brauchen?

Wie würde sich die Welt verändern, wenn wir wertschätzend und nachhaltig mit unserer Kleidung umgehen würden? Was passiert mit der Modeeindustrie, wenn sie nicht mehr 30 seasonale Kollektionen im Jahr auf den Markt bringen? Und mit den ArbeiterInnen in den billig produzierenden Fabriken?
Wenn ich radikal meinen Konsum in diesem Bereich umstelle – und vielleicht andere auch – werden sie dann arbeitslos ohne Perspektive? So vieles hängt mit so vielem zusammen. Wie kann ich das überblicken? So viele Fragen, die mich bewegen. Habt ihr Antworten?

Kurz vor dem Besuch bei Papa hörte ich vom Projekt 333. Kennt ihr das? Darüber berichte ich im nächsten Beitrag.

In Gedanken an Huhn und Seestern, Fortsetzung folgt …

Hoffentlich nachhaltige Grüße,

Petra